Portalwaschanlage oder Waschstraße?

Die Möglichkeiten und Unterschiede bei der Autowäsche in der Waschanlage

Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind - heißt es, und in Bezug auf die Waschhäufigkeit der fahrbaren Untersetze scheint diese Aussage auch zu stimmen. Dazu wird bei der Autopflege gerne und oft zu Luxusprogrammen gegriffen, selbst von Fahrern, die es nicht allzu oft zur Waschstraße schaffen. Doch sind diese überhaupt sinnvoll?

PKW in der Waschstraße

Portalwaschanlage oder Waschstraße?

Autowaschanlagen werden grundsätzlich in zwei Arten unterschieden - die Portalwaschanlage und die Waschstraße.

Portalwaschanlagen finden sich häufig an Tankstellen, da sie sehr kompakte Ausmaße haben. Für Autofahrer sind sie durch diese Standorte praktisch und zeitsparend, da gut zu erreichen. Hinzukommt ihre vergleichsweise umweltfreundliche Auslegung. Pro Waschgang werden nur etwa 120 Liter Wasser verbraucht. Das Auto selbst steht in der Portalwaschanlage still, während sich die Bürsten und Düsen bewegen. Der Fahrer muss das Auto in der Regel vor Beginn des Waschprogramms verlassen. Bei einigen Portalwaschanlagen kann es jedoch nötig sein, das Kfz nach der Wäsche in eine Trockenkammer zu fahren. Das ist etwas umständlich, zudem dauert die Wäsche vergleichsweise lang.

Bei Autowaschstraßen durchfährt das Auto samt Insassen auf einer Art Laufband die Waschanlage. Die eingesetzten Bürsten, Lappen und Düsen bewegen sich hingegen nur in einem begrenzten Ausmaß. Da es sich bei den Autowaschstraßen um große Anlagen handelt, sind sie weniger weit verbreitet. Zudem verbrauchen sie mit circa 600 Litern pro Waschgang reichlich Wasser. Allerdings wird das Waschwasser aber häufig direkt in der Anlage gefiltert, damit aufbereitet und wieder einsetzbar.

Autowaschstraße und Portalwaschanlage im Vergleich

In Waschanlagen Tests zeigt sich regelmäßig, dass Portalwaschanlagen schlechter als die größeren Autowaschstraßen abschneiden. Und das obwohl Erstere meist teurer sind. Rückstände von Putzmitteln, Schlieren - in einigen Fällen werden die Verschmutzungen lediglich anders verteilt, jedoch nicht entfernt. Die längere Fahrt zu einer Autowaschstraße lohnt sich also oftmals. Auch hier sollte aber auf das eingesetzte Material und die angebotenen Programme geachtet werden.

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Lappen, Bürsten, Moosgummi?

Bürsten aus Polyethylen oder Nylon waren lange Zeit die am weitesten verbreitete Variante der Reinigung in Waschanlagen. Sie reinigen durch die verhältnismäßig große Härte der Borsten sehr gründlich. Allerdings können sie eben hierdurch auch Schäden am Lack erzeugen, vor allem in Kombination mit Schmutzpartikeln an den Borsten oder wenn diese nach langem Gebrauch gekürzt werden müssen. Modernere Waschanlagen setzen daher auf Textillappen. Diese schonen den Lack zwar, erreichen aber allein keine gründliche Reinigungswirkung. Dadurch können Rückstände und matte Schleier auf Lack und Scheiben verbleiben.

Eine weitere Alternative zu diesen sind Waschmaterialien aus PE-Schaumstoff beziehungsweise Moosgummi. An diesem bleiben keine Schmutzpartikel zurück, sie sind weich genug um den Lack nicht zu schädigen und hart genug für eine gründliche Reinigung. Vor die Wahl gestellt, sollten Sie also Waschstraßen bevorzugen, die gut gepflegte Nylonbürsten oder PE-Schaumstoff als Waschmaterial verwenden.

Basis- und Luxusprogramme: Arten, Effekt und Sinn

Ein gewöhnliches Basis-Waschprogramm besteht in der Regel aus:

  • Aktiv-Schaum - Ein Reinigungsschaum wird aufgesprüht, um gröbere und feste Verschmutzungen löst. Das Auto wird damit auf die folgende Wäsche vorbereitet.
  • (Bürsten-)Wäsche - Mit Hilfe eines rotierenden oder sich seitlich bewegenden Waschmaterials, also beispielsweise Nylon, Textil oder PE-Schaumstoff, wird das Gemisch aus Schaum und Wasser auf dem Auto verteilt und Verschmutzungen dabei mechanisch entfernt. Wasserdüsen spülen diese im Anschluss ab.
  • Trocknung: Hier kann ein Gebläse zum Einsatz kommen, dass die Wassertropfen von Lack und Scheiben entfernt. Ebenso können wiederum textile Lappen verwendet werden, die die Wassertropfen "abwedeln" beziehungsweise abwischen. Tests zeigen, dass die Trocknung durch Luftgebläse effizienter ist und das bessere Ergebnis erzeugt. Lappen reichen schlicht nicht in jede Rille, was wiederum zu Wasserflecken führen kann.

Das Grundprinzip beschränkt sich also auf Einweichen, Bürsten, Abspülen und Abtrocknen. Bei Luxusprogrammen kommen dazu noch weitere Mittel und Maßnahmen. Die gebräuchlichsten sind:

  • Hochdruckvorwäsche - Wasser wird mit Hochdruck dazu eingesetzt, Sand, Staub und andere grobe Schmutzpartikel zu entfernen. Hierdurch werden im anschließenden Bürstenwaschgang Kratzer und andere Schäden auf dem Lack verhindert.
  • Spezialvorwäsche - Bei dieser werden sehr aggressive Reinigungsmittel eingesetzt, die nicht nur grobe Verschmutzungen lösen, sondern auch Rückstände von Streumitteln und dergleichen entfernen sollen. Allerdings sind diese Reinigungsmittel auch sehr umweltschädlich und können potenziell den Lack ausbleichen oder auf andere Weise schädigen.
  • Wachs (mit Abperleffekt) - Versiegelungen und Wachs mit Abperleffekt werden nach dem Waschgang aufgetragen, der Auftrag kann mit oder ohne Zwischentrocknung erfolgen. Durch sie soll zum einen ein dauerhafterer Glanz erreicht, zum anderen das Festsetzen von Verschmutzungen und Kalkflecken verhindert werden. Der Effekt ist meist von recht begrenzter Dauer, hält nur sehr wenigen Folgewäschen stand. Eine erneute Anschmutzung lässt sich damit dennoch herauszögern, wodurch sich dieses Luxusprogramm für alle lohnt, die nur selten in der Waschanlage vorfahren.
  • Glanztrockner beziehungsweise Trocknungshilfe - Zwischen Wasch- und Trocknungsvorgang wird ein Mittel zur Schnelltrocknung aufgesprüht. Dieses bewirkt, dass das Wasser schneller von der Oberfläche abgestoßen wird. Flecken wird damit vorgebeugt.
  • Unterbodenwäsche und -konservierung - Vor allem im Winter ist der Unterboden einer Vielzahl von schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Bei der Unterbodenwäsche werden die Rückstände von Streusalz und Co. entfernt, was bei einer zu häufigen Anwendung jedoch auch zu Schäden führen kann. Die Unterbodenkonservierung trägt einen neuen Schutz auf. Diese Sonderprogramme sollten in der Waschanlage also nur ein bis zweimal jährlich und dann möglichst in Kombination in Anspruch genommen werden.
  • Felgenreinigung - Die Verschmutzungen und die herausfordernde Form der Felgen machen es schwierig, diese manuell gründlich zu reinigen. Vor allem bei "Matschwetter" ist dieses zusätzliche Programm daher eine sinnvolle Erweiterung der Basiswäsche.

Die Luxusprogramme können also, zumindest teilweise, durchaus eine sinnvolle Erweiterung bei der Autowäsche sein. Besser als aller paar Monate alle verfügbaren Sonderreinigungsmittel in Anspruch zu nehmen, ist aber dennoch der regelmäßige Besuch in einer zugleich effizienten und schonenden Autowaschanlage. Hierdurch kommt es erst gar nicht zu extremen, festsitzenden und nahezu eingebrannten Verschmutzungen, die aggressive Mittel erforderlich machen. Dazu sollten Sie wenn möglich Autowaschstraßen bevorzugen, in denen Personal auch manuell vorwäscht und nachpoliert. Diese sind oftmals preislich recht günstig, dabei aber sehr gründlich und dennoch schnell.

Eine Alternative zum wöchentlichen Besuch in der Autowaschanlage oder auch als geldsparende Möglichkeit anstelle der oftmals teureren Hochdruck- oder Spezialvorwäschen in Waschanlagen ist es, selbst zur Hochdrucklanze zu greifen. Waschstraßen und Selbstwaschanlagen bieten diese bereits zum Schnäppchenpreis. Zudem eignen sie sich beispielsweise zur Zwischenreinigung der Felgen oder dem Entfernen einzelner Flecke.